Waidblüten vor blauem Himmel

Über Waid

Waid ist eine geradezu magische Pflanze mit ungeahnten Eigenschaften und einer beeindruckenden Geschichte.

Was hat es denn mit dem ›Blau‹ auf sich?

Traditionell, also in der vor­industriellen Zeit wurde die Farbe Blau aus der Waidpflanze hergestellt.

Färben mit Waid ist langwierig und anspruchsvoll – damals wie heute im Ergebnis jedoch einzigartig. Die Blätter des Färberwaids werden vor der Blüte geerntet, zerkleinert und durch Zugabe von Lauge zu Pigmentpulver verarbeitet.

Im grünlichen Färbebad, der sogenannten Küpe, werden die Textilien noch nicht blau. Erst beim Herausnehmen entsteht in Wechselwirkung mit dem Luftsauerstoff die tiefblaue Färbung.

Warum heißt es ›Erfurter Blau‹?

Die Farbe Blau wurde früher aus der Waidpflanze hergestellt.

Die Menschen im Mittelalter liebten blaue Kleidung, weil Blau die Farbe des Reichtums, des Himmels, Gottes und der Engel war. So wurde der Handel mit Waid-Blau zu einem der Grundsteine, auf dem sich Erfurts heutige Größe und Bedeutung gründet.

Färben mit Waid ist langwierig und anspruchsvoll – damals wie heute im Ergebnis jedoch einzigartig.

Wie sieht sie aus,
die Pflanze, die blau färbt?

Der Färberwaid (Isatis tinctoria), auch ›Pastel‹ oder ›Deutscher Indigo‹ genannt, stammt wahrscheinlich aus Asien oder Südosteuropa. Sie wurde hier in Europa seit der Eisenzeit als Färberpflanze kultiviert, um daraus ein Blau zu gewinnen, das dem Indigoblau ähnelt.

Im ersten Jahr bilden die Pflanzen niedrige Blattrosetten aus. Aus diesen jungen Blättern wird das Pigment gewonnen. Im zweiten Jahr treibt die Pflanze bis auf eine Höhe von 1,50 m aus. Mit ihren zarten gelben Blüten ähnelt sie dem Raps.

Was bedeutete ›stinkreich‹ 
in Erfurt?

Der Anbau und die Verarbeitung des Färberwaids zu Farbstoff waren nicht unproblematisch.

Der Waidanbau beanspruchte ausgedehnte landwirtschaftlich nutzbare Flächen. Die Gärungs- und Färbeprozesse verursachten einen bestialischen Gestank. Auch das Wasser wurde stark belastet.

Der ästhetische Mehrwert blauer Kleidung wog diese Nachteile aber offensichtlich auf.

Woher kommt ›blau machen‹?

›Blau machen‹ kommt aus einer Zeit, in der Färberinnen und Färber ihre Stoffe und Wolle noch von Hand einfärbten.

Nach dem Färbebad mussten die Stoffe zum Trocknen aufgehängt werden. Während die Stoffe an der Luft den Farbumschlag auf blau vollzogen, konnte niemand weiterarbeiten.

So war man gezwungen geduldig abzuwarten – also ›blau zu machen‹.

Grünes Blatt, gelbes Bad – 
blaues Tuch?

Da das reine Indigo-Pigment wasserunlöslich ist, muss es für das Textilfärben in einer sogenannten Küpe chemisch vorbereitet werden.

Durch Zugabe von Laugen und Reduktionsmitteln wird das Indigo in eine wasserlösliche, gelbliche Leuko-Form (Küpenblau) reduziert. Der Textilstoff wird in diese gelbliche Flüssigkeit getaucht.

Nach dem Herausnehmen reagiert das Indoxyl/Leuko-Indigo mit dem Luftsauerstoff. Dabei verfärbt sich der Stoff durch die Oxidation innerhalb von Minuten von gelb über grün zu einem tiefen Blau.

Wozu denn ›Waid-Ballen‹?

Waidballen sind faustgroße Kugeln aus getrockneten, gepressten Blättern der Waidpflanze.

In dieser Form konnte Färberwaid als teurer Rohstoff und begehrte Handelsware gut auf die Märkte in ganz Europa gebracht werden. Der Handel war den ›Waidjunkern‹, den reichsten Bürgern der Stadt, vorbehalten.

Nach der Zerkleinerung der Ballen und der Gärung in Wasser und Urin wurde in den ›Waidspeichern‹ das Pigment zum Blaufärben von Stoffen hergestellt.

Das Kartenset zum Waid-Wissen

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